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Reisebericht Jura / Val de Travers

17. September 2022

Turnfahrt 2022 in den Jura/ Val de Travers
9. – 11. September 2022

Beat Wintsch hat als Reiseleiter ein reichhaltiges Programm recherchiert und
zusammengestellt. Ziel war, den Jura landschaftlich, wirtschaftlich, kulturell und
geschichtlich besser kennenzulernen, mit Wandern die Fitness zu stärken und die
Kameradschaft zu pflegen.
Sehr pünktlich trafen am Freitagmorgen um 06.00 Uhr 26 topmotivierte Turner auf
dem Schulhausplatz Oberdorf ein, um eine dreitägige Turnfahrt in den Jura zu
unternehmen. Zügig wurde das Gepäck in den Car von Walter Marti verladen, sodass
wir überpünktlich Richtung Jura abfahren konnten.
Nicht mitkommen konnte Roger, welcher am Samstag Hochzeit feierte. Leider konnten
wir nicht Spalier stehen. Er hat von uns eine Gratulationsbotschaft erhalten.
Auf der Fahrt nach St. Imier gab es in der Autobahnraststätte Gunzgen Nord einen
Kaffeehalt mit Gipfeli. Um 09.30 Uhr fuhren wir mit der Standseilbahn auf den 1200 m
hohen Mont Soleil.

Sonnen- und Windkraftwerk Mont Soleil und Mont Crosin
Nach einer 20-minütigen Wanderung erreichten wir das grösste Sonnen- und
Windkraftwerk der Schweiz, welches durch die BKW betrieben wird. Aufgeteilt in zwei
Gruppen wurden wir von sehr kompetenten Mitarbeiterinnen der BKW durch die
Anlagen geführt und durften den Technikraum eines Windrades betreten. Zudem
erzeugt eine Solaranlage auf einer Wiese mit verschiedenen Solarmodulen Strom.
Die BKW betreibt seit 1996 auf dem Mont Soleil und dem Mont Crosin die grösste
Windkraftanlage der Schweiz mit einer Leistung von 37.2 MW Leistung. Damit können
16‘000 Haushalte ein Jahr lang mit Strom versorgt werden. Dass dieser Ort für die
Windenergie geeignet ist, konnten wir am eigenen Leib erfahren. Es ging ein zügiger
Wind und es war ungemütlich.
Anschliessend war das Mittagessen an der nahegelegenen Feuerstelle angesagt. Mit
den von uns mitgebrachten Holzscheitern entfachte Festwirt Migg Harder ein Grillfeuer
und wir brätelten Würste.
Gestärkt wanderten wir auf dem Höhenweg zum Mont Crosin zum Restaurant „le
chalet“ und löschten unseren Durst.

Le Roselet Stiftung für das Pferd
Nach einer kurzen Carfahrt trafen wir in le Roselet in der Nähe von Les Breuleux ein
und besuchten ein Altersheim für Pferde, Ponys und Esel. Dieses Zentrum wird durch
die Stiftung für das Pferd geführt. Der Zweck besteht darin, den Tieren einen würdigen
Lebensabend zu bieten. Insgesamt werden in drei Anlagen 180 Tiere betreut. In le
Roselet geniessen 60 Tiere ihren Lebensabend.
Nach diesem stündigen Aufenthalt fuhren wir weiter durch schöne Juralandschaften
nach La Chaux-de-Fonds zum Hotel Fleur de Lys. Die Landwirte unter uns waren
beeindruckt von diesen ebenen grossen Kulturlandflächen. Am Abend stiess Michi
Feuerstein noch zu unserer Truppe. Nach dem Bezug der Zimmer konnten wir eine
Bierdegustation von vier selbst gebrauten Bieren in der Brasserie de la Fontaine
probieren. Nach dem Nachtessen im gleichen Haus entliess uns unser Reiseleiter in
den Ausgang, um den Abend noch gemütlich ausklingen zu lassen.

Der zweite Reisetag stand unter dem Motto „unterwegs im Tal der grünen Fee“. Weil
ein langer Tag bevorstand, mussten wir bereits um 07.00 Uhr zum Frühstück
erscheinen. Um 08.15 Uhr fuhren wir ab in das Val de Travers nach Noiraigue. Das
Val de Travers liegt im Neuenburger Jura und erstreckt sich über 15 Kilometer. Die
Areuse durchfliesst dieses Tal. Das Tal erfuhr Mitte des 18. Jahrhunderts eine rasche
Industriealisierung. Spitzenklöppelei und Uhrmacherei waren die ersten
Industriezweige. Später kam der Maschinenbau, die Textil- und Zementherstellung
sowie der Asphaltabbau dazu. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte
sich das Tal zum Zentrum der Absinthherstellung.

Creux du Van/VW-Museum St-Sulpice
Die Wandergruppe nahm eine 2 ½ -stündige Wanderung zum Creux du Van unter die
Füsse. Es waren 700 Höhenmeter zu bewältigen. Nach 220 Höhenmetern machten
wir bei der Ferme Robert einen Zwischenhalt. Die gemütliche Gruppe von neun
Turnern besuchte das VW-Museum in St-Sulpice. Dieses wurde im Jahr 2007 von
Stéphane Leuba eröffnet. In diesem Museum befinden sich rund 150 VW-Fahrzeuge
aus den Jahren 1950 bis 1979 auf zwei Etagen, VW-Käfer, VW-Busse, Karman, um
nur einige zu erwähnen. Im Erdgeschoss befinden sich unrestaurierte Fahrzeuge, wo
Kinder diese berühren und sich ans Steuer setzen können. Im Museum befindet sich
auch eine Hausbar. Unsere teilnehmenden Kollegen kosteten einen Absinth. Nach
zwei Stunden fuhr Walter die Gruppe weiter zur Ferme le Soliat. Anschliessend liefen
sie in rund einer Stunde zum Berggasthaus Grand Vy, wo alle das vorbestellte
Mittagessen einnahmen. Nach dem Essen wanderten wir über den Grat des Creux du
Van, dem Grand Canyon der Schweiz. Es war sehr eindrücklich, eine gewaltige
senkrecht abfallende Felswand. Das Wetter war wie schon am Vortag eher
Aprilwetter. Aber wir mussten die Regenkleider nie auspacken.

Maison d’Absinth
Weiter ging es von der Ferme le Soliat nach Motiers zum Maison d’Absinth. Hier
erfuhren wir in einer Ausstellung und Tonbildschau Wissenswertes über die
Absinthherstellung. An der Bartheke konnten wir drei verschiedene Absinthsorten
degustieren. Hergestellt wird der Absinth aus dem Wermutkraut, Angelika, Muskat,
Koriander, um nur einige zu nennen. Die Herstellung ist eine Wissenschaft für sich. Im
Jahr 1910 wurde die Herstellung verboten. Erst im Jahr 2005 wurde dieses Verbot
aufgehoben. Während dieser Zeit wurden im Tal einige Schwarzbrennereien
betrieben.
Wir fuhren zurück nach La Chaux-de-Fonds in unser Hotel und zogen das weisse
Hemd an. Um unser Lokal für das Nachtessen zu erreichen, mussten wir zuerst mit
dem Ortsbus an den Stadtrand fahren und noch 10 Minuten zu Fuss gehen. Beat führte
uns in ein sehr spezielles Restaurant, in die Ferme des Brandts, ein ehemaliges
Bauernhaus mit Baujahr 1612 bis 1614, welches von einem Nachkommen eines
reichen Bauern erbaut wurde. Es ist ein markantes Bauwerk mit einer
aussergewöhnlichen Qualität der Süd- und Nordfassade und einer gewölbten Küche.
Den Abend liessen wir ausklingen in den umliegenden Restaurants und Barlokalen.

La Brévine
Am Sonntagmorgen verluden wir nach dem Frühstück das Gepäck und fuhren in
Richtung Sibirien der Schweiz.
Das Wetter war perfekt, bereits am Morgen schien die Sonne. Das heutige Tagesmotto
war „durch Sibirien und wilde Schluchten zu den Minenstollen“, Richtung Le Locle und
dann weiter ins Hochtal von La Brévine. Dieses liegt auf 1050 m über Meer, ist 20 km
lang und 1 km breit und eben. Speziell ist, dass es kein längeres Fliessgewässer gibt,
das Oberflächenwasser fliesst unterirdisch ab. Wir besuchten die
Temperaturmessstelle neben der Kirche. Am 12. Januar 1987 wurde dort eine
Minustemperatur von 41.8 Grad gemessen, der tiefste Wert in der Schweiz.

Gorges de l‘Areuse
Die Fahrt ging weiter ins uns bereits bekannte Val de Travers bis nach Champ-du-
Moulin. Durch das Val de Travers fliesst von der Quelle bei St- Sulpice bis nach Boudry
der Fluss Areuse. Er ist mit 32 km Länge der längste Fluss im Kanton Neuenburg.
Wir wanderten in rund 2 Stunden durch die Gorges de l’Areuse nach Boudry. Dieser
Abschnitt ist sehr eindrücklich. Der Fluss hat sich einen Weg durch eine wilde
Felslandschaft gebahnt und mündet in den Neuenburgersee.

Asphaltminen La Presta
Wir fuhren weiter zu unserem letzten Reiseziel, zur Mine d’Asphalt, welche sich bei La
Presta befindet. In diesen Minen wurde von 1712 bis 1986 Naturasphalt ausgebeutet,
welcher weltweit exportiert wurde. Vor dem ersten Weltkrieg war dieses Werk der
bedeutendste Produzent Europas und lieferte 1/5 der ganzen Weltproduktion.
Asphalt wird fälschlicherweise landläufig mit Teer gleichgesetzt, ist er aber nicht. Er
ist eine Gesteinsmischung, welche je zu 1/3 aus Wasser, Bitumen und Mineralstoffen
besteht.
Im Café des Mines nahmen wir das Mittagessen ein, in Asphalt gekochter Schinken
mit Kartoffelgratin und Gemüse. Dies ist hier eine Spezialität. Der Schinken war
wirklich sehr schmackhaft. Nachher durften wir nach dem Anziehen eines Schutzhelms
unter kundiger Führung die Minen besichtigen und sind ca. 1 km in den Tunnel
gelaufen. Das Tunnelsystem umfasst 100 km an Gängen und Stollen. Wir wurden uns
bewusst, was das für die Minenarbeiter bedeutete, den ganzen Tag hier zu arbeiten.
Unser dritter und letzter Reisetag näherte sich dem Ende und wir fuhren mit Walter
zurück in die Ostschweiz. Die Fahrt verlief zügig ohne Stau am Zürcher Nordring. Eine
Männerriegenreise darf niemals ohne Konsumation unseres Hausgetränks beendet
werden. Darum wurde uns im Car ein „Appenzeller“ serviert. Planmässig sind wir um
20.00 Uhr in Sulgen angekommen. Diese Reise wird uns noch lange in Erinnerung
bleiben. Wir danken Beat Wintsch für die perfekte Planung und Durchführung dieser
Turnfahrt. Einen Dank richten wir auch unserem Carchauffeur Walter Marti aus,
welcher uns stets pünktlich und sicher an die gewünschten Orte fuhr und auch für die
zusätzlichen Informationen, welche er uns als Kenner dieser Gegend vermittelte.

Hessenreuti, 13. September 2022
Reiseberichterstatter Hans Senn

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