Männerriege Sulgen

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Auf den Spuren des Rieslings

15. September 2021

Zeitig um 06.35 Uhr am Samstag besammelte sich eine muntere Schar von 24 Turnern am Bahnhof Sulgen zur spätsommerlichen zweitägigenTurnfahrt in den Kanton Schaffhausen. Angesagt waren Radfahren, Weiterbildung, Wanderung und Kameradschaft.

Der erste Aufreger beim Umsteigen in Weinfelden legte sich bald wieder: Die SBB hatte die Reservation der Sulger entgegen der Mitteilung im vordersten Bahnwagen und nicht zuhinterst platziert. So kams zum ersten sportlichen Einsatz durch die vielen Bahnwagen bis ganz nach vorne des Zugs. Halb so schlimm, Hauptsache es geht vorwärts.

Zu den Nachbarn geht’s via Winterthur und das Zürcher Weinland. Hier lichten sich die herbstlichen Nebelschwaden und die Vorfreude auf das Programm war deutlich zu spüren.

Genussmomente auf der Grand Tour
In Schaffhausen fassten die Sulger die Mietvelos der SBB feinsäuberlich eingeteilt in Gewichts- und Grössenklassen vom Small bis zum XXL. Mit diesem e-Bike Untersatz lässt sich fast jeder Rebberg im Schaffhausen fast mühelos erkunden. Aber halt, zuerst gings zum Wahrzeichen Nummer eins der Schaffhauser: Rheinfall. Ein «Muss» für Touristen. Aber auch die Sulger Turner zeigten sich sehr beeindruckt: auf einer Breite von 150 Metern stürzen pro Sekunde bis zu 700’000 Liter Wasser über eine Klippe von 25 Metern Höhe hinunter in die Tiefe. Die Erkenntnis verfestigte sich zunehmend: wieso in die Ferne schweifen, wenn das Schöne so nah ist. Wann sind wir zuletzt hier gewesen ? Zur Schulzeit? Es wurde Zeit, wieder hinzufahren und neu zu staunen.
Auf der Terrasse des Ausflugsrestaurant stärkte man sich erstmals mit einem gemeinsamen Frühschoppen. Ein Spender dazu liess sich finden.

Der Klettgau ruft
Via Beringen führte die Fahrradroute in den Klettgau. Die Thurgauer suchten vergebens Obstbäume und gewöhnten sich zunehmend an die farbenprächtigen und behangenen Rebhänge. Gilt bei uns der Saft (Most) als Hauptnahrungsmittel, wird hier der Riesling Silvaner früh und kühl serviert zum Apero. Der Müller Thurgau (Riesling Silvaner) hat hier eine grosse Verbreitung und mundete den durstigen Turnern bestens. Der Schaffhauser Winzer vom Weingut «Aagne» (= Eigener) servierte die erste Kostprobe ob Hallau auf einem lauschigen Grillplatz.
«Aagne» tönt eigentlich wie «Latere» (=Leiter im altthurgauer Dialekt). Ob die Schaffhauser noch mehr Aehnlichkeit zu den Thurgauern haben ? Man wird sehen.

Grösstes Weinbaugebiet
Am ersten Reisetag gehört die mitgebrachte Grillwurst zur Tradition. Festwirt Migg Harder hatte zünftig eingefeuert und die Sulger erfreuten sich beim an der schönen Aussicht in das grösste zusammenhängende Weinbaugebiet der Deutschschweiz.
Der Klettgau ist dort, wo (fast) alle Ortsnamen auf ingen endet: Beringen, Löhningen, Gächlingen, Siblingen etc. Da fehlt nur noch Trasadingen just vor der deutschen Grenze. Dazu mehr später. Das Weinseminar absolvierten wir vor Ort und kosteten die Früchte der Vorjahre: Perl, Riesling-Silvaner, Pinot Blanc gefolgt von anderen Pinots und dem Cabernet Merlot. Ganz nach dem Motto: die Vorjahre geniessen, denn das Winzerjahr 2021 wird gemäss den Aussagen des örtlichen Winzers wetterbedingt eher mager ausfallen. Tröstlich zu hören, dass der Klimawandel für einmal positiv dazu beigetragen hätte, dass die Schweizer Weine in den letzten Jahren tendenziell besser wurden. Winzer Markus Hallauer schloss die Degustation mit der Zusammenfassung ab: «Weissen kauft und trinkt man sofort und regelmässig, Pinot’s innert fünf Jahren und Cabernet/Merlot kann man bis 10 Jahre halten». Bei guter Kelterung wohlgemerkt. Alle Turner bestanden den praktischen Abschlusstest und drängten auf Wiederholung der Lektion «Weiss mit Riesling-Silvaner» …. Allen Winzern sei zu gönnen: Möge die nächsten Wochen noch sonnig sein und die letzte Süsse in den Wein bringen.

Hallauer Bergkirche
Besuchenswert ist die weitherum sichtbare weisse Bergkirche Sankt Moritz in mitten der Reben oberhalb des Dorfs. Sie gilt als Wahrzeichen des Weinbaugebietes. Im Jahr 1491 wurde sie eingeweiht und ist ein historisches Erbe unter dem Schutz der Eidgenosschenschaft.

Wohlhabend geworden in Schaffhausen
Beschwingt setzten die Sulger die Fahrt weiter via weiteren Boxenstop in Trasadingen zurück über Wilchingen nach Schaffhausen, wo der Kilometerzähler just über 50 Umdrehungen anzeigte. Den Abend verbrachten die Thurgauer in der Schaffhauser Altstadt, erwiesen aber zuerst dem Wahrzeichen Nummer zwei der Schaffhauser ihre Referenz: dem Munot. Mit dieser Festung aus dem Mittelalter sind viele Mythen verbunden. Und hier singt der Turmwächter nicht «blos e chlini Stadt, wo …» sondern «Munot’s Glöckelein …» und läutet jeden Tag im Turm den Tag aus um 20.00 Uhr. Ein herrlicher Spätsommerabend belohnt die Sulger für den Aufstieg zum Turm.
Bringt heute der Rheinfall und Touristen viel Volk nach Schaffhausen war früher die gute schifffahrtstechnische Lage von Vorteil. Alles musste hier im Mittelalter umgeladen werden und in Neuhausen neu auf die Schiffe gezogen und geladen werden. Dazu erhoben die Schaffhauser früh Zölle und hatten das Salzmonopol. 171 prächtige Erker in der Altstadt zeugen von Wohlstand und Stil am Rhein.

Krämersfrau Brunhilde weiss Bescheid
Beeindruckt von den geschichtlichen Erzählungen engagierten die Sulger am Sonntag die Krämersfrau Brunhilde von Wunderstetten, welche mit dem Zünfter Mathias verheiratet ist. Ihre Geschichten aus dem Mittelalter und der damalige Strafenkatalog erheiterten die etwas müden Sulger zu früher Stunde. Marterpfahl und die «Trülli» gehörten zum Stadtbild oben auf dem Herrenacker. Aus Diskretionsgründen verschweigt der Reiseberichterstatter hier frivole Ausführungen der Krämersfrau zu Themen, welche die Männerwelt zuweilen bewegte im zu dieser Zeit …. (smile).

Zurück in den Thurgau
Vom ersten Heimweh geplagt verliessen die Sulger die nördlichste Stadt der Schweiz mit dem Turbo-Zug zurück in den Thurgau, entlang des Rheins aufwärts. In Steckborn wanderten sie ins Jochental. Hier bewirtete uns die Buschenschenke mit einem reichlichen Grillzmittag. Noch etwas müder gings weiter entlang dem Untersee aufwärts. Auf der Anhöhe kamen wir am «Wyse Felse» auf 475 Metern über Meer zum kurzen Halt und Fotoshooting. Die Panoramaroute am Untersee ist wenig bekannt und wirklich lohnenswert zu begehen. In Berlingen nahm sich die Gruppe A vor, auch dem Napoleon in Salenstein noch einen Besuch abzustatten, während die Gruppe B den direkten Weg zur Glacestation nach Berlingen bevorzugte. Gemeinsam bestieg man das abendliche Kursschiff «Arenenberg» und vervollständigte die Reise mit einem Besuch im Biergarten zu Konstanz, um die letzte Unterhopfung zu behandeln.

Müde und zufrieden kehrten die Sulger mit der Bahn zurück nach Hause. Diese Reise wird uns lange erheitern und in Erinnerung bleiben unter dem Motto «weisch no …». Bei prächtigem Spätsommerwetter erlebten wir zwei anstrengende und schöne Tage. Unserem Tourguide Patrick Frick sprechen wir den besten Dank aus für die mustergültige Organisation dieser Turnfahrt, die allseits ein Top-Echo gefunden hat !

Der Reiseberichterstatter: Sepp Meyer, Sulgen 13. September 2021

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